Kinder bekommen laut Studie auffällig viele Antibiotika
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AFP - Dienstag, 24. Juni, 16:30 Uhr
Berlin (AFP) - Patienten in Deutschland bekommen einer Studie der Gmünder Ersatzkasse (GEK) zufolge teils unnötige Medikamente verordnet. So sei die hohe Verordnungsrate von Antibiotika bei Kindern angesichts der weltweit wachsenden Resistenz "höchst fragwürdig", erklärte die Kasse bei Vorlage ihres Arzneimittel-Reports 2008 in Berlin.
Demnach erfolgt bei mehr als 90 Prozent der akuten oberen Atemwegsinfektionen von Kindern eine antibiotische Therapie. Allerdings seien solche Infektionen hauptsächlich viral bedingt und Antibiotika nur in der Behandlung bakteriell bedingter Erkrankungen bewährt, so der Report.
Auffällig sei auch die häufige Verschreibung von Präparaten gegen das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (
ADHS) bei den Elf- bis 14-Jährigen, heißt es in der Studie. Die Versorgung Älterer mit Antidepressiva sei ebenfalls problematisch: 37 Prozent der betroffenen Versicherten im Alter ab 60 Jahren bekämen diese Medikamente nur für einen bis zwei Monate verordnet - dieser Zeitraum sei aber "laut Lehrmeinung" zu kurz, um eine Depression zu therapieren, sagte ein GEK-Sprecher. Teils erhielten auch Versicherte ohne die entsprechende Diagnose Antidepressiva.
Insgesamt ergab die Studie eine Steigerung der GEK-Arzneimittelausgaben im Jahr 2007 um 8,1 Prozent pro Versichertem - dies sei "eine sehr bedenkliche Ausgabentendenz für die gesetzliche Krankenversicherung insgesamt". Ohne erkennbaren Grund sei deutlich mehr verordnet worden als im Vorjahr, erklärte der wissenschaftliche Leiter der Studie, Gerd Glaeske.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD), wies vor allem auf die "hohe Konzentration der Arzneimittelausgaben auf einen vergleichsweise kleinen Teil der Versicherten" hin: 80 Prozent der Ausgaben entfielen auf weniger als 20 Prozent der Versicherten, erklärte Caspers-Merk in Berlin.
Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) kritisierte den Arzneimittelreport: Dessen Leser sollten "offenbar das Gefühl bekommen, moderne Medikamente seien weitgehend nutzlos und überteuert", erklärte VFA-Geschäftsführerin Cornelia Yzer. Dabei hätten neu entwickelte Wirkstoffe auch im vergangenen Jahr "erhebliche Therapiefortschritte" bei Rheuma,
HIV oder Krebs ermöglicht. Die Alterung der Gesellschaft bringe einen höheren Verbrauch an Arzneimitteln und damit höhere Kassenausgaben mit sich. "Dies sollten wir offen aussprechen, statt in alte Feindbilder zu fallen und Sündenböcke für ein aus den Fugen geratenes Gesundheitssystem zu suchen", erklärte Yzer.