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lief letztes Jahr auf hr3:
Zweifel am Grippemedikament Tamiflu
16. April 2008, 20:15 Uhr
Volkskrankheit Grippe: Wie wirksam ist Tamiflu?
Tamiflu wurde als Wundermittel gegen Grippeviren gepriesen. Bei jeder Grippewelle erzielt Tamiflu Absatzrekorde. Der Pharmakonzern Roche erzielt damit einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Schweizer Franken. Jetzt gerät das Wundermittel in die Kritik.
Links im WWW
· Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zum Wirkstoff Tamiflu
http://www.akdae.de/20/20/Archiv/2008/20080613.html
http://www.akdae.de/en/40/Oseltamivir-Zanamivir.pdf
Professor Wolf-Dieter Ludwig von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft urteilt, dass es keinen zusätzlichen Nutzen bei der normalen Grippe gebe \"Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfiehlt keinen generellen Einsatz von Tamiflu im Zusammenhang mit der Grippe. Es gibt keine kontrollierten Studien, die belegen, dass Tamiflu oder andere Neuraminidasehemmer die Sterblichkeit verringern.\" Im Zusammenhang mit der Grippebehandlung fände man keinen Personenkreis, der von diesen Mitteln profitiert. Trotzdem wirbt Hersteller Roche wirbt im Internet für den Einsatz seines Umsatzbringers gegen die normale Grippe. Motto: Das Übel an der Wurzel packen.
Die Nebenwirkungen sind beachtlich
Für die Arzneimittelfachleute ist das problematisch. Ludwig erklärt warum: \"Es wird vor allem nicht erwähnt, dass zum Beispiel auch die Symptome einer Grippeerkrankung durch Tamiflu nur um 1 bis 2 Tage verkürzt werden. Auch Nebenwirkungen werden wie immer bei derartigen Internetportalen überhaupt nicht erwähnt. Es gibt Nebenwirkungen, auf die wir unsere Patienten hinweisen müssen.\" Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Aus Japan werden zudem 16 Fälle von Jugendlichen berichtet, die nach Einnahme von Tamiflu Selbstmord begangen haben. Seit kurzem muss Roche vor solchen Risiken ausdrücklich in der Gebrauchsinformation warnen.
\"Besser als gar nichts\"
Tamiflu soll jedoch auch vor Ansteckung mit Grippeviren im Fall einer weltweiten Pandemie schützen - also dann, wenn ein hochansteckendes Virus millionenfach den Menschen angreift. Doch auch hier bezweifeln Kritiker wie Peter Schönhöfer, der Mitherausgeber des \"arznei telegramm\", ob Tamiflu das leisten kann: \"Es ist ein sehr schwach wirksames Mittel, aber da gar nichts vorhanden ist, zieht das Argument: Besser als gar nichts. Trotz aller Kritik haben die Bundesländer Tamiflu für fast 200 Millionen Euro gebunkert. Sie hoffen mit Hilfe von Tamiflu die Ausbreitung der Viren so lange zu verzögern, bis ein Impfstoff da ist. Das Land Hessen hat Mittel für 20% der Bevölkerung eingelagert. Jörg Osmers vom Hessischen Sozialministerium erklärt warum: \"Wir handeln nach dem Prinzip: Wir dürfen die Bevölkerung in einem Zeitraum, wo es eine massive Bedrohung der Gesundheit gibt, nicht alleine lassen. Und da suchen wir das Beste, was verfügbar ist. Und es gibt in der Tat nichts, was uns angeraten wurde von den Spezialisten, was besser wäre.
Steuergelder für zweifelhafte Sicherheit?
Zitat
Professor Wolf-Dieter Ludwig, Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft:
\"Es gibt Nebenwirkungen, auf die wir unsere Patienten hinweisen müssen.\"
Bald erreichen die ersten Bestände ihr Verfallsdatum. Ob dann wieder Millionen Steuergelder fällig sind? Dr. Matthias Gruhl vom Gesundheitssenat Bremen ist sich da nicht so sicher: \"Also, wir müssen in 2 bis 3 Jahren beginnen, diese Medikamente zu ersetzen, und ich würde das sehr gerne in 2 Jahren diskutieren, wenn wir wissen, ob sich die Expertenmeinungen zur Vogelgrippe nicht inzwischen etwas verändert haben.\" Auf Anfrage gibt selbst die Firma Roche zu: \"Die verfügbaren Hinweise über die klinische Wirksamkeit von Oseltamivir (Tamiflu) gegen Vogelgrippe bestehen ... aus Fallberichten, die sich auf kleine Patientengruppen beziehen. Bis dato konnte die Wirkung ... nur in eingeschränktem Umfang untersucht werden.\"
Für Peter Schönhöfer vom \"arznei-telegramm\" ist die Bevölkerung nicht richtig informiert: \"Bei dem geringen Ausmaß der Wirksamkeit wird durch die Einlagerung eine Sicherheit vorgespiegelt, die faktisch nicht da ist, denn es wird ja nur eine geringe Zahl an Infektionen tatsächlich verhindert.\" Tamiflu ist kein Wundermittel. Weder gegen Grippe noch gegen Vogelgrippe. Es kann höchstens wenige Menschen vor Infektion bewahren. Mehr nicht. |
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Zuletzt geändert am: 25-07-2009 03:30:48 von Gaston aus folgendem Grund |