Autor Thema: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?  (Gelesen 11903 mal)

Offline Tuberkulinum

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RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« am: 04. Februar 2008, 11:17:37 »
Da dies im anderen Thread untergegangen ist, möchte ich auf das Thema RSV Infektionen nochmals zurück

Hako,wenn Du die Masernimpfung schon so propagierst, dann wäre auch ein Blick auf die Zunahme von schweren Atemwegsinfektionen bei Säuglingen zu werfen, die durch RS Viren ausgelöst werden. Gemäss einer Studie, an der sogar der Vorsitzende Schmitt von der STIKO beteiligt war, steht diese Zunahme vermutlich in Zusammenhang mit der Masernimpfung und dem fehlenden Nestschutz durch Masern.

Was nutzt es mir also, wenn ich zwar weniger Masern habe, dafür aber schwerste Atemwegsinfektionen bei Säuglingen. Etwa 1% der infizierten Kinder müssen hier deswegen stationär behandelt werden.

Laut WHO ist das RS-Virus weltweit schätzungsweise für 64 Millionen Infektionen und 160.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich.
Ausserdem sind Kinder, die an RSV erkranken später häufiger von Asthma und anderen Atemwegsinfektionen betroffen.

Mehr zu den Langzeitfolgen: http://www.synagis.de/content/e253/e5/e24/index_ger.html

Peter


Offline Tuberkulinum

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #1 am: 04. Februar 2008, 17:06:34 »
Habe noch etwas gefunden:

Zitat
In the USA nearly all children, by two years of age, have been infected with RSV, is estimated to be responsible for 18 000 to 75 000 hospitalizations and 90 to 1900 deaths annually.

http://www.who.int/vaccine_research/diseases/ari/en/index3.html


Das RSV Thema wurde auch schon mal im alten Forum behandelt; die starken Impfbefürworter hatten damals nichts zu sagen und auch jetzt wieder  wird sich zurückgehalten.

Hako(oder bist Du Wolfsberg?), Du kannst doch nicht auf der einen Seite die Masernimpfung so propagieren, aber auf der anderen Seite die Augen vor möglichen Auswirkungen der Impfungen verschliessen. Das ist totale Scheuklappenmentalität.

Hako

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #2 am: 04. Februar 2008, 17:19:21 »
Tuberkulinum schrieb:
Zitat
Habe noch etwas gefunden:

Zitat
In the USA nearly all children, by two years of age, have been infected with RSV, is estimated to be responsible for 18 000 to 75 000 hospitalizations and 90 to 1900 deaths annually.

http://www.who.int/vaccine_research/diseases/ari/en/index3.html



Die Infektionsrate mit RSV war auch schon früher sehr hoch. Falls es zu einem Anstieg durch fehlenden Nestschutz kommt, wird nur eine bereits sehr hohe Rate weiter erhöht. Du tust so als wären alle jetzigen RSV-Infektionen alleine darauf zurückzuführen.

Mich würde also interessieren wieviele Kinder vor Einführung der Impfung RSV-Infektionen hatten (ich kenne da auch nur Zahlen von > 90% bis zum zweiten Lebensjahr) und wieviele nach der Einführung, bzw. jetzt bei den neugeborenen Kindern.

Ich kann mir vorstellen dass es zu Kreuzresistenzen kommen kann, da es sich um ähnliche Viren handelt, aber eine Masernerkrankung der Mutter schützt sicherlich nicht zu 100% vor einer RSV-Infektion des Kindes in den ersten Lebensmonaten.

Vielleicht gibt es eine Verschiebung in frühere Lebensabschnitte, aber das es so gut wie jedes Kind irgandwann trifft war früher auch schon so.  


Früher bekam fast jedes Kind Masern und fast jedes Kind eine RSV.
Heute bekommt kein Kind Masern und immer noch jedes Kind eine RSV, wobei womöglich ein auftreten in der jüngsten Kohorte häufiger vorkommt, was für dei betroffenen Kinder gefährlicher ist. Dieses wiegt die Vorteile der vermiedenen Masern aber bei weitem nicht auf.
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970, 01:00:00 von 177 »

Offline Tuberkulinum

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #3 am: 05. Februar 2008, 10:37:54 »
von 1980 bis 1996 haben die Hospitalisationen (USA) wegen Bronchiolitis(meist durch RSV ausgelöst) bei Kindern unter 1 Jahr von ca. 40000 auf über 120000 zugenommen(Studie:Bronchiolitis-Associated Hospitalizations Among US Children, 1980-1996):
Results  During the 17-year study period, an estimated 1.65 million hospitalizations for bronchiolitis occurred among children younger than 5 years, accounting for 7.0 million inpatient days. Fifty-seven percent of these hospitalizations occurred among children younger than 6 months and 81% among those younger than 1 year. Among children younger than 1 year, annual bronchiolitis hospitalization rates increased 2.4-fold, from 12.9 per 1000 in 1980 to 31.2 per 1000 in 1996. During 1988-1996, infant hospitalization rates for bronchiolitis increased significantly (P for trend <.001), while hospitalization rates for lower respiratory tract diseases excluding bronchiolitis did not vary significantly (P for trend = .20). The proportion of hospitalizations for lower respiratory tract illnesses among children younger than 1 year associated with bronchiolitis increased from 22.2% in 1980 to 47.4% in 1996; among total hospitalizations, this proportion increased from 5.4% to 16.4%. Averaging bronchiolitis hospitalizations during 1994-1996 and assuming that RSV was the etiologic agent in 50% to 80% of November through April hospitalizations, an estimated 51,240 to 81,985 annual bronchiolitis hospitalizations among children younger than 1 year were related to RSV infection.

Conclusions  During 1980-1996, rates of hospitalization of infants with bronchiolitis increased substantially, as did the proportion of total and lower respiratory tract hospitalizations associated with bronchiolitis. Annual bronchiolitis hospitalizations associated with RSV infection among infants may be greater than previous estimates for RSV bronchiolitis and pneumonia hospitalizations combined.


http://jama.ama-assn.org/cgi/reprint/282/15/1440

Für die Zeit davor habe ich bis jetzt noch nichts gefunden.

Zitat
Heute bekommt kein Kind Masern und immer noch jedes Kind eine RSV, wobei womöglich ein auftreten in der jüngsten Kohorte häufiger vorkommt, was für dei betroffenen Kinder gefährlicher ist. Dieses wiegt die Vorteile der vermiedenen Masern aber bei weitem nicht auf.


Wenn die Kinder aber dann jahrelang mit Asthma oder anderen chronischen Erkrankungen zu kämpfen haben, sehe ich keinen so grossen Vorteil mehr von der Masernimpfung.
Hauptsache keine Masern, dafür aber heftigste RSV Infektion im Säuglingsalter und anschliessend jahrelang Cortison gegen das Asthma  :Stirn:
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970, 01:00:00 von 62 »


Hako

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #4 am: 05. Februar 2008, 11:24:31 »
Du gehst immer noch davon aus dass der Anstieg durch fehlenden Masern-Nestschutz passiert. Der Ansteig dürfte deshalb nur Säuglinge in den allerersten Lebensmonaten betreffen. Das sehe ich nicht.

Andere Erklärungen für den Anstieg scheinen mir viel wahrscheinlicher.

Offline Tuberkulinum

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #5 am: 14. Februar 2008, 15:27:36 »
Das Problem ist, das es ja vor allem Säuglinge betrifft. Ältere Kinder haben dann halt eben eine \"Bronchitis\", aber da wird nicht weiter geschaut, da es nicht lebensbedrohlich ist.

Hako schrieb:
Zitat

Andere Erklärungen für den Anstieg scheinen mir viel wahrscheinlicher.


Welche denn?
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970, 01:00:00 von 82 »

Hako

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #6 am: 15. Februar 2008, 11:52:20 »
Tuberkulinum schrieb:
Zitat

Welche denn?



Eine völlig banale ist zum Beispiel die verbesserte Diagnose-Möglichkeit.
Das wird gerne unterschätzt.

Das ist bei so gut wie allen \"komplizierteren\" Krankheiten festzustellen.

Masern erkennt jeder (heute vll. nicht mehr). Früher konnte man aber RSV nicht so einfach feststellen. Das war ein schwerer Infekt, ohne Spezifikation.

Es gibt etliche Beispiele dafür dass bestimmte Krankheiten mit der Entwicklung bestimmter Nachweismethoden häufiger wurden (PCR z.B.).

Offline Tuberkulinum

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #7 am: 18. Februar 2008, 11:28:31 »
Du kannst aber jetzt nicht behaupten, nur weil wir bessere Diganosekritieren haben, haben wir mehr RSV Fälle. Damit drückt man sich um das eigentliche Thema.
Wenn an der ganzen Sache nichts dran wäre, dann frage ich mich wirklich, warum Weigl & co die Masernimpfung hier in Erwägung gezogen haben.
Vielleicht sind die noch gar nicht auf die Idee gekommen , dass es an den verbessterten Diagnosemöglichkeiten liegt. Solltest der Forschergruppe vielleicht eine kleine email mit Deinem Hinweis senden.:super:


Hako

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #8 am: 18. Februar 2008, 11:49:29 »
Tuberkulinum schrieb:
Zitat
Du kannst aber jetzt nicht behaupten, nur weil wir bessere Diganosekritieren haben, haben wir mehr RSV Fälle. Damit drückt man sich um das eigentliche Thema.


Ich sage dass ein Grund für die Zunahme ist dass man das früher nicht so häufig diagnostiziert hat. Warum drücke ich mich damit um das Thema. Das ist eine Beschreibung einer Tatsache die für sehr viele Krankheiten zutrifft, grade im Bereich Virusdiagnostik ist durch molekularbiologische Verfahren viel mehr möglich als früher.

Zitat

Wenn an der ganzen Sache nichts dran wäre, dann frage ich mich wirklich, warum Weigl & co die Masernimpfung hier in Erwägung gezogen haben.


Ich würde das mal nicht überbewerten. Ich hab die Originalarbeit immer noch nicht gesehen und diese bemerkenswerte Vermutung findet sich nicht mal im Abstract wieder.
Ich hab keine Ahnung ob es sich um eine Spekulation handelt oder ob da mehr dahintersteckt. Seit Veröffentlichung dieser Publikation ist da offenbar nicht viel gemacht worden.

Offline Tuberkulinum

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #9 am: 19. Februar 2008, 14:04:52 »
Hier nochmals ein Teil der Arbeit übersetzt:

... Das bedeutet, dass (bei der Zunahme der RSV-Erkrankungen, d.Ü.) ein noch unidentifizierter Faktor eine Rolle spielen muss. Dieser Faktor müsste die Empfänglichkeit und den Krankheitsverlauf (Hospitalisierung) besonders bei Säuglingen bzw. unter 2jährigen Kindern beeinflussen. Da der RSV, wie bereits in den 50er Jahren gezeigt wurde, das wichtigsten Pathogen in dieser Altersgruppe ist, ist die Verschlechterung einer Grundgegebenheit anzunehmen, und da besonders eine Beeinträchtigung der Immunabwehr des Wirtes. Dieser Faktor kann nicht genetischer Natur sein, da das menschliche Genom nicht so schnell mutiert. Bei der Frage nach den Faktoren, welche die Immunabwehr des Wirtes in einem so frühen Lebensabschnitt beeinflussen, erscheinen die diaplazentare oder intrauterine Aktivierung („Priming“) bzw. Strukturierung des Immunsystems am ehesten plausibel. Diaplazentare Faktoren wurden in der Literatur bereits ausführlich diskutiert.

 

Sucht man nach einem länderspezifischen Faktor, der sich zu den gegebenen Zeitpunkten 1987 in den USA, um 1989 in Schweden, und Anfang bis Mitte der 90er Jahre in Deutschland und über die Mütter der betroffenen Kinder auswirken konnte (via der Struktur des Immunsystems dieser Mütter), erscheint die Einführung der Masernimpfung 1963 in den USA,  1971 in Schweden und 1973 in Deutschland und die 20 bis 25jährige Latenzzeit, bis die geimpften Mütter heranwuchsen und schwanger wurden, eine plausible Hypothese.

 

Die ansteigende Inzidenz obstruktiver Bronchialerkrankungen bei Säuglingen geht parallel mit dem seinerzeitigen Anstieg der Durchimpfung der entsprechenden Population von Müttern. Länder mit einer niedrigeren Masern-Durchimpfungsrate weisen offenbar eine niedrigere Inzidenz RSV-positiver Hospitalisationen auf. Die exorbitanten RSV-Erkrankungsziffern von amerikanischen und alaskischen Eingeborenen könnten den selben Grund haben, da diese Populationen erst nach Ankunft der Europäer mit dem Masernvirus konfrontiert wurden – aus der Sicht der Evolution eine kurze Zeitspanne.

 

Da unsere Zahlen zur Inzidenz der obstruktiven Bronchitis um oder kurz nach 1988 auf dem Niveau der USA lagen und der Masernimpfstoff in Deutschland erst 1973 zugelassen wurde, mit einem nur langsamen Anstieg der Impfraten, war eine Zunahme der Inzidenz von Infekten der unteren Luftwege und speziell von obstruktiven Bronchitiden in Deutschland für Mitte der 90er Jahre erwarten. Die meisten Pädiater werden aus ihrer Beobachtung heraus bestätigen, dass es sich genau so verhielt, und auch unsere Studie deutet - trotz ihrer kurzen Zeitreihe mit Fluktuationen wie in den Vorgängerstudien - auf einen Aufwärtstrend hin, der diese klinische Beobachtung stützt.

 

Wenn wir solche weitreichenden Behauptungen aufstellen, sind wir uns der begrenzten Aussagekraft der kurzen Zeitreihen unserer Studie bewusst. Unsere Hypothese lautet, dass die natürlichen Masern bei den Müttern und bei der von ihnen auf den Sprössling übertragenen RSV-Immunität eine andere Abwehrstruktur („immune constitution“) bedingen. Da in der Bevölkerung immer mehr Mütter als Kinder maserngeimpft wurden, kommt es mit der Zeit zu einem immer größeren Pool von Kindern, die für schwere Infekte der unteren Luftwege empfänglich sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass beide Viren, das Masernvirus und das RSV, zur selben Familie der Paramyxoviren gehören, wobei die Masern immunsuppressiv wirken, während die RSV-induzierte obstruktive Bronchitis eine hypersensitive Störung ist.  

Wir sind uns bewusst, dass unsere Hypothese eine erneute Anschuldigung des Masernimpfung ist, doch sie sollte als Hypothese aufgefasst werden, die weiterer Nachforschung wert ist.“


Das ganze Thema ist äusserst unbequem, da man damit u.U. die Massenmasernimpfungen hinterfragen muss. Wahrscheinlich wollte man gar nicht, dass es im Abstract erscheint.

Ich bekomme demnächst noch die ganze Arbeit von einem Kollegen zugesandt. Vielleicht kann ich dann noch mehr liefern.

Offline Tuberkulinum

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Aw: RSV Infektionen verstärkt duch Masernimpfung?
« Antwort #10 am: 12. März 2008, 11:29:31 »
Nach dem bereits zitierten Text heisst es:

Wenn die Masernimpfung nicht der Grund für die steigende Inzidenz von RSV-positiven Krankenhauseinweisungen ist, dann muss man nach anderen Faktoren suchen, die zu diesem Zeitpunkt auf die Population einwirkten, anstatt sich auf  \"multifaktorielle Ursachen\" zu verlassen.

Deine etwaigen Erklärungsversuche haben die Wissenschaftler schon in Betracht gezogen, sie aber nicht als relevant eingestuft.

 

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