Autor Thema: Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?  (Gelesen 16364 mal)

Offline Leonie

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Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?
« am: 13. Mai 2016, 21:15:51 »
Hallo,
ein Kinderarzt hat uns erzählt, dass in der Schweiz wie auch in fast allen skandinavischen Ländern die 5-fach-Impfung im ersten Jahr zwei Mal geimpft wird und dann noch einmal ein Jahr später. In allen anderen EU-Ländern, einschließlich Deutschland, besteht die Grundimmunisierung dagegen aus 3 Impfungen im ersten Jahr und einer Vierten ein Jahr später. (Der Arzt sagte, diese zusätzliche Impfung sei ein reines Geschenk an die Pharmaindustrie und absolut überflüssig.)
Die Impfpläne der jeweiligen Länder sind ja im Internet zu finden. Ich habe allerdings noch nicht rausfinden können welche Impfstoffe dort verwendet werden. Reicht es für eine Grundimmunisierung mit Infanrix evtl. auch wenn man nur drei Mal impft?
Ich würde mich freuen, wenn jemand etwas mehr über dieses Thema berichten kann.



Offline Krümel

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Re: Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?
« Antwort #1 am: 13. Mai 2016, 21:25:34 »
Hallo, bitte stell Dich doch erstmal vor. Was hat Dich hier in ein Impfschadenforum geführt?

Zu Deiner Frage: Je jünger der Impfling ist, desto häufiger muß nachgeimpft werden, denn das Immunsystem, was bei Babys erst nach und nach gebildet wird, kann zu Anfang nicht alles erfassen. Die Anzahl der Nachimpfungen macht man nur, weil man Angst hat, dass das Immunsystem noch nicht ausreichend reagiert hat.

Offline ?!

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Re: Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?
« Antwort #2 am: 14. Mai 2016, 09:48:28 »
Hallo Leonie,

dem Schweizerischen Impfplan 2016 des Bundesamtes für Gesundheit zufolge, wird auch für Kinder in der Schweiz eine 3-malige Impfung im ersten Lebensjahr empfohlen (2., 4. und 6. Lebensmonat). Siehe: http://www.bag.admin.ch/ekif/04423/04428

Vielleicht fragen Sie nochmals Ihren Kinderarzt nach seiner Informationsquelle und woher seine Einschätzung hinsichtlich der Verzichtbarkeit einer dritten Impfung stammt.

Beste Grüße
?!

Offline Leonie

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Re: Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?
« Antwort #3 am: 14. Mai 2016, 11:21:37 »
Oh ja, da habe ich mich vertan. Es war nicht die Schweiz sondern in Österreich. Dort wird die 6-fach Impfung laut Plan im 3., 5. und 12. Lebensmonat empfohlen. http://www.bmg.gv.at/home/Impfplan
Unser Sohn hat mit 15. Monaten die erste 5-fach erhalten, 3 Monate später die zweite. Nun fragen wir uns, ob er jetzt noch eine dritte benötigt, oder ob zwei ausreichen und wir dann in einem Jahr noch einmal impfen lassen.
Wie kann es denn sein, dass manche Länder 3 mal, andere nur 2 mal impfen im ersten Jahr? Eine wissenschaftliche Erklärung wird es dafür ja kaum geben können.

Kurz zu mir: wie oben geschrieben, habe ich einen anderthalb Jahre alten Sohn. Mit der Impfentscheidung tun wir uns bis heute sehr schwer. Für die fünffach haben wir uns nach längerer Zeit dann noch entschieden.  haben Jedoch erst angefangen nachdem er ein Jahr alt war. Ob und wann wir MMR impfen lassen oder evtl. nur gegen Masern überlegen wir noch.


Offline timmerich

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Re: Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?
« Antwort #4 am: 14. Mai 2016, 13:19:33 »
Und dazu kommt man in ein Impfschadenforum? Diese Antwort gibt Dir Dein Arzt Deines Vertrauens.

Offline ?!

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Re: Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?
« Antwort #5 am: 14. Mai 2016, 13:37:59 »
Hallo Leonie,

eine Liste der Österreich zugelassenen Impfstoffe finden Sie hier: http://www.basg.gv.at/arzneimittel/impfstoffe/zugelassene-impfstoffe

Für die von Ihnen angesprochene Frage kann ich keinen Unterschied zwischen den in Deutschland und den in Österreich verwendeten Impfstoffen erkennen. Es sollte mich schon sehr wundern, wenn für den österreichischen Markt ein Impfstoff gleichen Namens aber in anderer Antigenkonzentration hergestellt würde.

Insofern erscheint mir Ihre Frage mehr als berechtigt. - Welche Erklärungen könnte es nun dafür geben?

Immunologie:
Hier halte ich den gemeinen Österreicher mit einem Deutschen für gut vergleichbar (für Asiaten kennen wir hingegen viele genetische Besonderheiten, die bei einer medikamentösen Therapie beachtet werden sollten).

Epidemiologie:
Das Risiko an Diphtherie, Tetanus, ... zu erkranken dürfte in beiden Ländern in etwa gleich hoch sein.

Formalismus:
Ob es für diesen Impfstoff trotz wohl gleicher Zusammensetzung nationale Zulassungsbeschränkungen in der Anwendung gibt, weiß ich nicht (für andere Pharmaka gibt es sie auch innerhalb Europas). Vielleicht kennen sich da ja andere Foristen besser aus.

Akzeptanz:
Die Durchimpfungsraten Österreichs kenne ich ebenfalls nicht (bei niedrigen Raten werden mitunter Impfungen häufiger und/oder früher empfohlen, um weniger Lücken zu hinterlassen).

Nebenwirkungsrate:
Nach meiner Kenntnis werden im Vergleich Deutschland/Österreich trotz unterschiedlich häufig angewendeter Impfstoffe jedoch keine Unterschiede in der Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen berichtet. Zumindest für das Problem der akuten Unverträglichkeit im Sinne einer Allergie erscheint mir das auch nicht verwunderlich (die macht sich in der Regel bereits beim allerersten Mal bemerkbar und dann entfallen meist die noch geplanten weiteren Impfungen).

Sicherheitsbedürfnis:
Die Häufigkeit von Impfversagern kann man durch mehrfache Verabreichung zumindest verringern, wenn auch nicht vollständig eliminieren. Hier könnte die Einschätzung der beiden Gremien voneinander abweichen.

Korruption:
Das von Ihrem Kinderarzt gemutmaßte "Geschenk" an die  Pharmaindustrie in Deutschland erscheint mir als Argument für die unterschiedliche Empfehlung ungeeignet. Nicht, weil ich glaube, dass es so etwas nicht geben würde, sondern weil mir auch in diesem Punkt beide Länder gleich gut/schlecht zu sein scheinen.

Wie sie sehen, kann ich Ihnen auf Ihre Frage leider keine wirklich zufriedenstellende Antwort geben.

Was die Frage aufwirft, wie Sie nun weiter verfahren wollen ...

Ihr Sohn ist offensichtlich im ersten Lebensjahr überhaupt nicht geimpft worden und hat dann zwei Dosen erhalten. Ob dies bereits einen ausreichend hohen Schutz hinterlassen hat (und falls ja: wie lange der anhält), ist völlig unklar, da für dieses Schema meines Wissens keine großen Studien durchgeführt worden sind.

Sie könnten ja seinen Impfstatus einmal prüfen lassen. Fragen Sie ruhig vorher bei Ihrer Krankenkasse nach, ob Ihnen die dabei entstehenden Kosten erstattet werden, denn mit € 100,- ist es vermutlich nicht getan. Von diesem Ergebnis kann man das weitere Vorgehen abhängig machen. Sollte dabei eine weitere Impfdosis sinnvoll erscheinen und auch gegeben werden, wurde das Kind natürlich einmal mehr gestochen als es sonst nötig gewesen wäre. Sollte der Impfschutz als ausreichend erachtet werden, hat sich zwar die Anzahl der Stiche nicht vermindert, aber ihr Kind entgeht dem Risiko einer Impfreaktion.

Die Entscheidung kann Ihnen aber letztlich niemand abnehmen.

Mit den besten Grüßen
?!

p.s.
Interessanterweise wird in Österreich die Empfehlung zu Impfungen gegenüber Meningokokken ebenfalls erheblich weiter ausgesprochen, als dies zumindest derzeit in Deutschland der Fall ist (und selbst hierzulande geht die sächsische SIKO in diesem Punkt ja bereits über die Empfehlungen der bundesweite STIKO hinaus).
Harmonisierungen auf europäischer Ebene sind wohl im Bereich der maximal zulässigen Krümmung einer Salatgurke leichter zu erzielen ...

Offline Leonie

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Re: Wie oft 5-Fach-Impfung nötig?
« Antwort #6 am: 17. Mai 2016, 12:41:46 »
Vielen Dank für diese ausführliche Antwort!

Hat hier schon jemand Erfahrungen in dieser Hinsicht? Also erst nach dem ersten Lebensjahr mit dem Imfpen begonnen und dann die 5-fach nicht gleich vier mal sondern vorher den Titer bestimmen lassen?

Über Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen.
Viele Grüße,
Leonie

 

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