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Möglichkeiten für ein alternatives Impfvorgehen

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Vorbemerkung: Die nachfolgenden Überlegungen stellen lediglich eine Übersicht über zur Zeit in Deutschland praktisch umsetzbare Möglichkeiten für eine individuelle Impfentscheidung dar – sie sollen und können keinesfalls ein in unseren Augen unerlässliches persönliches Beratungsgespräch mit einer kompetenten Ärztin/einem kompetenten Arzt ersetzen. Auch sind sie ausdrücklich nicht als Impfempfehlung des Vereins „Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.“ zu verstehen. (Liste der Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.)

Da nur eine begrenzte Auswahl an Impfstoffen(Impfstoffverfügbarkeit) und Impfstoffkombinationen auf dem deutschen und europäischen Markt verfügbar sind, gibt es für die täglichePraxis nur wenig Alternativen zu den offiziellen Impfempfehlungen der STIKO.

 

Einen sehr guten Artikel finden Sie von der Arbeitsgruppe für differenzierte Impfungen in der Schweiz zu diesem Thema

 

Im Wesentlichen gibt es vier Möglichkeiten:

  • Keine Impfung
  • Fünf- oder Sechsfachimpstoffe (zugelassen für die Grundimpfungen im Säuglingsalter)
    • Sechsfachimpfung (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/HiB/Polio/Hepatitis B (Offizielle Impfempfehlung der STIKO)
    • Fünffachimpfung (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/HiB/Polio)
  • Einzelimpfstoffe (zugelassen für die Grundimpfungen im Säuglingsalter)
    • Tetanus, Polio, Hib (in Deutschland zur Zeit nur aus dem europäischen Ausland zu beziehen), Hepatitis B und Diphtherie (Diphtherie-Einzelimpfstoffe sind wegen ihres Quecksilbergehalts allerdings nicht zu empfehlen).
  • Td- oder TdPolio-oder TdPertussis-Impfstoffe (nicht zugelassen für die Grundimpfungen im Säuglingsalter, zugelassen für Auffrischimpfungen ab dem 5.bzw 3. Geburtstag.
    • Sie können eine Alternative darstellen, wenn gegen Tetanus und Diphtherie, nicht aber gegen Keuchhusten geimpft werden soll.

Die unter 1, 3 und 4 skizzierten Impfalternativen entsprechen grundsätzlich nicht den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Ärzte bewegen sich daher bei ihrer Umsetzung in einer juristischen Grauzone (die Impfempfehlungen der STIKO gelten als medizinischer Standard). Eltern nehmen durch den Verzicht auf empfohlene Impfungen das Risiko der Erkrankung (und damit eventuell verbundener Komplikationen) für ihr Kind bewusst in Kauf – dies erfordert eine intensive und umfassende Information im Rahmen eines  ärztlichen Beratungsgespräches, um zu einer verantwortungsvollen und fundierten Entscheidung zu kommen. 

Da zu den offiziellen Impfempfehlungen der STIKO ausreichend Literatur auch für betroffenen Eltern zur Verfügung steht  [link auf RKI-Seite mit STIKO-Empfehlungen] beschränken wir uns im Folgenden auf die oben erwähnten alternativen Impfstrategien.

 

dT (Diphtherie-Tetanus)                 

    1. Mit Beginn des Laufalters drei Td-Impfungen (Td-pur, Td-rix) im Abstand von 4 - 8Wochen, Wiederholung nach 6 – 12 Monaten
    2. Eventuell dritte und vierte Td-Impfung mit Polio kombiniert (Td-Virelon, Revaxis) im Abstand von 6 – 12 Monaten
    3. Td-Polio-Auffrischung mit 10 Jahren
    4. danach alle 10 – 15 Jahre Td-Auffrischung (evtl. nach Bestimmung der Impfantikörper).  
    5. Die Td-Impfstoffe haben für die Grundimmunisierung während der ersten fünf Lebensjahre keine Zulassung.
    6. Wenn die Eltern die Anwendung dieser Impfstoffe wünschen, handeln sie daher auf eigene Verantwortung, sofern sich der Arzt durch ihre Unterschrift von seiner Verantwortung entbinden lässt. Konsequenzen hat dies nur im unwahrscheinlichen Fall eines bleibenden Impfschadens: In diesem Fall würde die Haftung des Staates entfallen.
    7. Die Kombinationsimpfstoffe beinhalten eine gegenüber Säuglingsimpfstoffen verringerte Impfstoffmenge: die Diphtheriekomponente beträgtnach Herstellerangaben durchschnittlich ein Drittel der Säuglingsdosis, die Tetanuskomponente deren Hälfte Sie enthalten keinerlei Substanzen, die in den zugelassenen Säuglingsimpfstoffen nicht ebenfalls Verwendung finden. Aufgrund der fehlenden Zulassung für die Grundimpfung liegen keine größeren Studien über die erreichten Antikörperspiegel nach der Grundimmunisierung mit diesen Impfstoffen im Säuglings- oder Kleinkindesalter vor. Wer daher vor allem bezüglich des Diphtherie-Schutzes 100%ig sicher gehen will, sollte nach Abschluss der Grundimmunisierung aus dem Blut die Diphtherie-Antikörper überprüfen lassen. Bei entsprechenden Nachuntersuchungen in unseren Praxen hatten nach drei Impfungen über 90%, nach vier Impfungen alle Kinder ausreichende Antikörper sowohl gegen Tetanus, als auch gegen Diphtherie

Polio    

  • Zusammen mit der dritten und vierten Td-Impfung (Revaxis oder Td-Virelon) im Abstand von 6 – 12 Monaten, dann mit zehn Jahren abschließende Impfung
  • Alternative: Zwei Impfungen mit Einzelimpfstoff im Abstand von sechs Monaten (IPV-Virelon), dann noch einmal abschließend mit 10 Jahren (z.B. in Kombination mit Td).   
 

 Keuchhusten  

  • Vor allem für Risikokinder mit chronischen Atemwegserkrankungen, Herzfehlern und anderen schweren Grundleiden.

    Möglich nur
  • als Dreifachimpfung mit Diphtherie (D) und Tetanus (Infanrix) (zugelassen für Säuglinge/ Grundimmunisierung)
  • als Vierfachimpfung mit Polio (Pentavac ohne das Hib-Fläschchen; wirksames, aber nicht offiziell zugelassenes Verfahren)
  • als Vierfachimpfung mit Diphtherie (d), Tetanus und Polio (Repevax) (zugelassen ab dem 6. Lebensjahr/für Auffrischimpfungen)
  • als Fünffach- oder Sechsfachimpfung  

 
Hib      

  • Zu überlegen vor allem für Frühgeborene, Krippenkinder und nicht gestillte Kinder:  
    • z.B. dreimalige Einzelimpfung ab dem dritten Lebensmonat (Hiberix aus der Schweiz, in Deutschland nicht offiziell zugelassen), 
    • oder einmalige Impfung ab dem 13. Lebensmonat (Hiberix), 
    • oder Kombination mit Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Polio (z.B. Infanrix+Hib, Pentavac) .

 
Masern

  • Empfehlenswert ab dem 12. - 15. Lebens-monat vor allem für chronisch kranke Kleinkinder. Ansonsten spätestens im Grundschulalter (falls bis dahin die Masern nicht durchgemacht wurden).
  • Kinder maserngeimpfter Mütter sollten auf jeden Fall geimpft werden, wenn ein nachfolgendes Geschwister geboren wird – es kommt nämlich ohne effektiven Nestschutz zur Welt.
  • Bei Schulbuben, die Mumps nicht durchgemacht haben, ist die Kombination MMR vorzuziehen - die Mumpsimpfung gibt es nur noch in dieser Kombination.
  • Zweitimpfung nach frühestens vier Wochen – alternativ Überprüfung der Impf-Antikörper.  

 
Mumps           

  • Spätestens vor Eintritt der Pubertät (insbesondere bei Buben), evtl. vorher Antikörpertestung, ob Mumps nicht vielleicht "still" durchgemacht wurde.
  • Evtl. kombinieren mit der Masernimpfung:  Der Mumpsimpfstoff ist nur noch als „MMR“, also kombiniert mit Masern- und Rötelnimpfstoff im Handel!
  • Zweimal im Abstand von mindestens vier Wochen, oder nach erster Impfung Überprüfung der Impf-Antikörper.

 
Röteln

  • Bei Mädchen spätestens mit 13 - 15 Jahren, evtl. vorher Antikörpertestung ("still" durchgemacht?).
  • Zweimal im Abstand von mindestens vier Wochen. Auch als MMR-Impfung erwägen, da Mumps in der Frühschwangerschaft zum Abgang führen kann.  

 
Hepatitis B     

  • Vor allem bei Risikokindern (z.B. Hepatitis-B-Träger im Haushalt).
  • Ansonsten auch Entscheidungsfindung zusammen mit dem Jugendlichen während oder nach der Pubertät.
  • Muss dreimal innerhalb eines Jahres verabreicht werden.

Windpocken

  • Bei engen Kontaktpersonen von Kindern mit Immunschwächekrankheit oder Chemotherapie, die bisher keine Windpocken hatten
  • Jugendliche und Erwachsene, die keine Windpocken durchgemacht haben (vorher Überprüfung auf Antikörper, da Windpocken auch übersehen werden können). Vorsicht: Bei Frauen vor der Impfung Schwangerschaft ausschließen, oder während Regelblutung impfen!

Pneumokokken

  • Zu erwägen bei Kindern mit Immunschwächekrankheiten oder chronischen Erkrankungen innerer Organe.
  • Bei Patienten, die ohne Milz leben müssen. 
  • Nach neueren Untersuchungen sind entgegen den STIKO-Empfehlungen bei Impfbeginn im 1. Lebensjahr 2 - 3 Impfungen ausreichend (eine oder zwei im 1. Lebensjahr, eine im 2. Lebensjahr), bei Impfbeginn im 2. Lebensjahr eine Impfung.   

Meningokokken

  • Bei Langzeitaufenthalten in Länder mit hohem Risiko (z.B. "Meningitisgürtel" in der Subsahara; Saudi-Arabien)
  • Bei Schülern und Studenten, die längere Zeit in Ländern mit offizieller Impfempfehlung verbringen (GB, IRL, NL, E), ist die Impfung zwar empfohlen. Das Risiko einer Meningokokken-C-Erkrankung ist jedoch für sie verschwindend gering.

mit freundlicher Genehmigung des Vereins Ärzte für individuelle Impfentscheide e.V.
Wenn Sie einen Arzt suchen, der Ihre individuelle Impfentscheidung mitträgt, sehen Sie sich die Ärtzeliste der Ärzte für individuelle Impfentscheide e.V. an.

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Andreas Bachmair

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